Stockemer nersche Däg

Den Begriff "nersch" kann man in etwa mit "verrückt" ins Hochdeutsche übersetzen. Und auch bei uns kann dieser Begriff zwei Bedeutungen haben. Zum einen kann "nersch sein" bedeuten, dass man sauer ist. Beispielsweise ist "ein nersches Mensch" also ein angesäuertes Mädchen.

Zum andern bedeutet aber "nersch sein" auch, dass man einfach ausgelassen, lustig – eben verrückt ist. In diesem Fall ist dann "das nersche Mensch" ein Mädchen, das mit Leib und Seele auf die Fasnet geht. Und so wie es "nersche Leit" gibt, gibts auch "nersche Däg".

Und davon haben wir jede Menge … 



Dreikönigssitzung des Narrengerichts und die Erste Narrenversmmlung

Die Dreikönigssitzung des Narrengerichts bildet den Auftakt zur Stockacher Fasnacht. Am Abend lädt das Narrengericht zur ersten Narrenversammlung. Hier tagt das Narrengericht und seine „Beiräte“. Dazu werden neben Vertretern der Verwaltung, Behörden und Institutionen vor allem auch Vereinsvorstände der Stadt Stockach sowie Prominente aus Fasnacht und Politik eingeladen sind. Der Brauch will es, dass dem Anlass angemessen zum Auftakt der Fasnacht die Insignien unserer schönen Stockacher Fasnacht präsentiert werden.

Neben launischen, närrischen Beiträgen erfahren die Narren wichtige Neuigkeiten. So wird das von einem Künstler neugestaltete Titelblatt des Narrenbuchs präsentiert und personelle Veränderungen im Kollegium werden bekanntgegeben. Höhepunkt ist schließlich die Bekanntgabe des oder der Beklagten für die Gerichtsverhandlung am Schmotzigen Dunnschtig. Bis dahin ist es das bestbehütetste Geheimnis in und um Stockach. Anschließend stimmen sich die Gäste bei Musik und Gesang noch oft bis in den frühen Morgen auf die närrische Zeit ein.



S’ Fasneteröffne mit Fasnetsverkünde

Am ersten Samstag nach Dreikönig zieht das Narrengericht zusammen mit seinen Gliederungen in einem Fackelumzug abends vom Hotel Fortuna bis vors Bürgerhaus Adler Post. Dorthin wird auch der Narrenwirt zitiert, welcher nach dem Verkünden der Fasnet das versammelte närrische Publikum in den Saal hineinbittet. Nachdem das Kollegium und der Narrenwirt sich dem närrischen Publikum

präsentiert haben, gehört die Bühne hauptsächlich dem närrischen Nachwuchs aus den Gliederungen. Tänze und Sketche bilden dabei einen unterhaltsamen Rahmen, um zeitgleich verdienten Narren mit Orden auszuzeichnen. Bei Tanz und an der Bar klingt der Abend dann aus.



De Hänseleball

Der Hänseleball ist eine feste Institution in Stockach. An einem der Samstage vor der Fasnachtswoche verwandeln die Hänsele das Bürgerhaus in eine eigene Fasnachtswelt. Showeinlagen und Musik 

unterhalten die Narren aller Altersklassen. Besonders toll sind oft auch die mottogerechten Kostüme der Gäste, die für eine ganz besondere Atmosphäre sorgen.



S’ Narrenblättleverkaufe

Immer am letzten Freitag vor dem „Schmotzigen“ verkauft die Zimmerergilde das Narrenblättle. Für einen kleinen Obulus kann ein jeder nachlesen, welche unglaublichen und lustigen Geschehnisse sich der ein oder andere rund um Stockach so geleistet hat.

 Auf närrische und gereimte Weise werden so Geschichten und Anekdoten wieder zum Leben geweckt. Das Narrenblättle ist übrigens die älteste regelmäßig erscheinende Zeitung in Stockach, erschien sie doch bereits 1894 zum ersten Mal.



De närrische Damenkaffee

Ab mittags veranstalten die Altstockacherinnen ihren Damenkaffee im Bürgerhaus. Nur für Frauen ist das Programm und das hat es in sich. Sketche Tänze und Wortbeiträge zeigen zumeist bissig die Schwächen des starken Geschlechts gnadenlos auf.

Bei Live-Musik wird auch das Tanzbein geschwungen oder wilde Polonaisen durchwandern den Saal. Erst später am Abend sind dann auch die Männer im Saal zugelassen - zum närrischen Feierabendhock.



De Schmotzige Dunnschig

"De Schmotzige Dunnschtig des isch doch wellewäg,

für d’ Stockemer no alleweil on vu de schänschte Däg!"

 

So hat es der einstige Narrenrichter Walter "Wäddi" Schneider gereimt, als er das Stockacher Fasnetlied "Unsern schäne Narrebomm" schuf.

 

Der Tag wird je nach Region auch Schmotziga Dorschdich, Schmotziger Dauschtich, Schmotziga Dauschteg, Dicker Donnerstag, Unsinniger Donnerstag, Gombiger Doschdig, Gombadonnerschdag, Gumpiger Dunschtig, Glombiger Doschdig, Lumpiger Donnerstag, Feischte Dunschtig oder einfach nur "de Schmotzige" genannt.

Und er ist tatsächlich unser großer Fasnachts-Feiertag in Stockach. Denn nicht nur "d’Fasnet kriegt langsam erscht ihr G’sicht, wenn d’ Zimmerergilde de Narrebomm ufricht!", sondern es ist natürlich auch der Tag, an dem das Narrengericht gehalten wird.

 

Am ganzen Tag ist buntes Narrentreiben in der Oberstadt und auch während die Verhandlung in der Jahnhalle läuft feiern Narren ausgelassen im Bürgerhaus und anschließend beim Zunftball mit Musik und Tanz bis in die frühen Morgenstunden.



de Fasnetfreitig  mit em Colaball

Am Fasnetsfreitig – umgangssprachlich auch gerne mal als "der nachheilige Tag" bezeichnet – müssen viele Stockacher Narren einmal durchschnaufen.

 

Nicht so die jungen Narren: Die Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren treffen sich von 17.00 bis 22.00 Uhr im Bürgerhaus " Adler-Post" zum Colaball. Veranstaltet und organisiert wird der vom Arbeitskreis Narresome.

Ein DJ sorgt für Partylaune und, wie der Name schon andeutet, gibt es dort nur alkoholfreie Getränke. Das tut der Stimmung aber nicht den geringsten Abbruch.

 

 

Wer will, kann abends auch den Kolpingball im Palottiheim besuchen. Viele Hästräger aus den Gliederungen genießen hier einmal einen närrischen Abend als „ganz einfache Gäste“.



SCHNURRE AM Fasnetssamschtig

Ein Höhepunkt der Stockacher Straßenfasnacht ist das Schnurren in den Gassen und Gaststätten. Am „Schnurrsamstag“ wird einiges geboten. Zahlreiche Gruppen pflegen das traditionelle Schnurren in der Stockacher Innenstadt. Zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verkleidet ziehen Gruppen, Duos und Einzelfiguren durch die Gaststätten und unterhalten mit Sprüchle, Liedern und allerlei Tratsch aus dem Städtle ihr Publikum. Die phantasiereichen Kostüme, die witzigen Vorträge und das spontane Zusammenspiel von Schnurrern und Publikum gleichen einem „mobilen Narrenspiegel“ – kostenlos und bequem in der Gaststube. Den ganzen Abend, bis in die Nacht hinein, können die Narren in den Gaststätten und Besenwirtschafften einkehren und verweilen. 

 

Um das Wechseln der Wirtschaften und Lokalitäten zu erleichtern bietet das Narrengericht einen kostenlosen Pendelbus (20.00 Uhr – 24.00 Uhr) für die aktiven Schnurrgruppen und Besucher in der Stadt an. Für manche ist die Fahrt im Schnurr-Bus wie ein Bunter Abend, da alle Schnurrgruppen auch im Bus performen.

 

Den Höhepunkt bietet letztlich das Zusammentreffen aller Schnurrgruppen zur Maskenprämierung im Bürgerhaus Adler Post gegen 23.00 Uhr. Hier treten im Laufe des Abends alle Schnurrgruppen auf. Aber auch schon vorher können die Narren bei Musik und Tanz ordentlich im Bürgerhaus feiern. Die Bar hat bis zum Morgen geöffnet.



De Laufnarrenmarkt am Fasnetssunntig

Der alljährliche Laufnarrenmarkt findet auf der Hauptstraße, vor und im Bürgerhaus Adler Post satt. Dort gibt es Stände und ein Karussell, Losverkäufer und Tombola sowie Musikgruppen. Gleichzeitig bietet das Bürgerhaus warme und bequeme Sitzplätze an, so dass ein stetiger Wechsel zwischen drinnen und draußen möglich ist. Auch im Bürgerhaus sorgen die Laufnarren für Unterhaltung und das leibliche Wohl.

Neben dem traditionellen Kesselfleisch, gibt es allerlei kulinarische Köstlichkeiten, bis hin zum „Mohrenkopf“ als Mitbringsel oder Nachtisch. Nach dem Ende des Markts klingt der Tag noch in den Stockacher Wirtschaften aus. Losverkauf und Tombola … Musikgruppen … Stände und Karussell …



De Fasnetmäntig

Der Fasnetmäntig startet bedächtig mit einem Gedenkgottesdienst und dem Uffwirmkaffee des Narrengerichts. Der Gottesdienst ist einer der ältesten Bräuche in der Stockacher Fasnacht und geht bis auf den Hauptbrief zurück. Im schwarzen Anzug und mit Zylinder sieht man dort die Gerichtsnarren in sich gehen.

 

Beim anschließenden Uffwirmkaffe sind nicht die lauten Töne sigefragt, sondern die leisen tiefsinnigen Wortbeiträge finden ihr aufmerksames Gehör. Im „literarischen Ambiente“ wird zuweilen auch schon ein erstes Resümee über die laufende Fasnacht und deren Protagonisten gezogen. Zudem ist dies auch ein passender Moment um letzte Ehrungen auszusprechen.

Ab dem Nachmittag ist es dann Zeit für das weiße Nachthemd. Während die aktiven Laufnarren, den Hemedglonker auf dem Gustav-Hammer-Platz aufbauen, feiern die jüngsten Stockacher Narren den Hemedglönkerleball des Arbeitskreis Narresome in der Adler-Post.

Um 19 Uhr startet dann der große Hemedglonkerumzug für alle durch Stockachs Straßen und Gassen. Er endet auf dem Gustav-Hammer-Platz, wo dann der Hemedglonker, eine riesige Strohpuppe, verbrannt wird.

 

Anschließend geht es dann in den in die Adler-Post, wo bei Livemusik und Tanz beim Hemdglonkerball der Marketenderinnen nochmals richtig gefeiert wird.



De Fasnetdienschtig mit de Kinderfasnet

Der Fasnachtsdienschtig gehört ganz den Kindern. Schon ab Mittag beginnt das närrische Treiben zwischen Bahnhof, Post und dem Hotel Fortuna. Um 14.00 Uhr startet dann der größte Stockacher Umzug, der Kinderumzug. Neben Gruppen aus der Nachbarschaft und aus Kindergärten nutzen viele Schnurrgruppen auch die Gelegenheit nochmals ihre Kostüme zu zu zeigen. Begleitet wird das Ganze von vielen Musikgruppen aus den benachbarten Ortsteilen.

 

Im Anschluss setzen die Jungzimmerer auf dem Gustav-Hammer-Platz den Kindernarrenbaum. Sie stehen dabei ihren großen Vorbildern in Tatkraft und Engagement in nichts nach.Direkt danach gibt’s das „Abfütterung des Narresomes“:  Jedes Kind erhält eine warme Wurst und einen Weck. Und dann geht es für die kleinen Narren zum Kinderball in die Adler-Post.

Den Abschluss der Fasnacht bildet dann für die erwachsenen Narren ab 19.00 Uhr der Abschlussball im Hotel Fortuna. Im Laufe des Abends finden sich alle Narren dort ein. Die Zimmerer werden von ihrem Morschter entlassen und um Punkt 0:00 Uhr wird die Fasnacht dann offiziell – nachdem der Narrenrichter seinen traditionellen Dank ausgesprochen hat– durch den Laufnarrenvater beendet.



S’Fasnetvugrabe am Aschermittwoch

Auch der letzte Akt der Stockacher Fasnacht hält sich strikt an das traditionelle Ritual. Begleitet von einem Trauermarsch zieht ein Umzug um 18.00 Uhr vom jeweiligen Narrenwirtshaus vor den Narrenbaum. In Trauerkleidung und mit Trauerflor an den Narrenkappen, tragen so die Narren ihre Fasnacht sprichwörtlich zu Grabe. Symbolisch wird ein kleiner Sarg durch die Zimmerergilde m Umzug mitgeführt.

Die Hänsele tragen leere Gelbbörsen oder einen toten Fisch an Ihrem Hänselestecken. Dreimal wird der Narrenbaum umrundet, bevor die Fasnacht mit dem Abgesang des Narrenrichters endet.

 

 

Im Anschluss findet immer die Hauptversammlung des Vereins-Hans-Kuony statt.



Lätare

Am Lätare-Sonntag – das ist der 4. Sonntag der Fastenzeit, also dreieinhalb Wochen nach Aschermittwoch – werden die Stockacher Narren aber doch noch einmal für eine Nacht lang närrisch aktiv. An seinem Vorabend treffen sich die männlichen Gliederungen des Narrengerichts, um ihre Jahreshauptversammlungen abzuhalten.

 

Ab 1.00 Uhr nachts zieht dann die Zimmerergilde, begleitet von der Hans-Kuony-Kapelle, stündlich um den Narrenbaum. Dabei wird der Narrenbaum „angeschlagen“  – die Anzahl der Schläge entsricht der jeweiligen Stunde – und ebenso der Sicherungsring, der vom Setzen noch um den Stamm liegt, in die Höhe geworfen

 

Um 5.00 Uhr morgens ist es dann soweit: Der "Stammbaum aller Narren" wird von Hand gefällt und die Stockacher Fasnacht findet nun wirklich endgültig ihr Ende.

 

 

Wer sich dann noch ein "Reis vom Narrenbaum" sichert, hat Glück für das ganze kommende Jahr. Ein solcher Zweig vom Dolden wird auch gerne seinem oder seiner Liebsten mitgebracht. Welch schöner Brauch!